Retargeting: Eine Marketing-Methode wie im Wilden Westen?

Im ersten Artikel haben wir angeschaut, was Retargeting – auch Remarketing genannt – ist und uns anhand einer Geschichte von einem Familienvater angeschaut, welchen hohen Nutzen es dir und deinem Kunden im Alltag bringen kann. In diesem Beitrag schauen wir uns das Thema noch etwas vertieft an.

Kommt der Besucher zum ersten Mal auf deine Webseite, so wird er mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 98 % auch gleich wieder weg sein. Die geringe Chance der restlichen 2 % tritt dann ein, wenn der Besucher auf deiner Seite genau zum richtigen Zeitpunkt genau das findet, was er gerade gesucht hat, und auch die Zeit und den Fokus findet, auf dein Angebot sofort einzugehen, also dein Angebot zu nutzen, wie beispielsweise direkt den Kauf bei dir zu tätigen.

Ohne Retargeting kommen deine Besucher meistens nicht mehr zurück

Die Herausforderung, der du als Anbieter eines Online Angebots gegenüberstehst, ist demnach die folgende:

  • Der Besucher kennt dich und dein Angebot nicht – ihm fehlt noch das Vertrauen. Dieses kannst du unter anderem dadurch stärken, dass ihm dein Branding, deine Marke, vertrauter wird.
  • Der Besucher hat seinen Fokus gerade woanders, ist also sehr abgelenkt bzw. abgelenkt. Dagegen bist du fast machtlos. Was hier zählt, ist die Tatsache, dass du mit Retargeting immer wieder die Aufmerksamkeit desselben Benutzers buchstäblich in deinen Bann ziehen kannst – mit Werbebannern der Taktik Retargeting!
  • Der Besucher hat im Moment nicht die richtigen Tools zur Hand. Für einen effektiven Kauf benötigt er ja zumindest die Kontoangaben oder seine Kreditkartendaten. Meistens ist er aber lediglich mit dem Handy in der Hand unterwegs.

Ein systematisches Retargeting leiten die Besucher zurück auf deine Website

Die Lösung in Form von Retargeting liegt somit auf der Hand: Ein systematisches Remarketing erhöht schlichtweg stetig die Chance, dass es zum Kauf kommt, weil dem potenziellen Kunden immer wieder neue «Chancen» zum Handeln direkt vor seiner Nase auf seinem Display erscheinen, immer mit Startpunkt «letzte Station».

Eine Frau ist auf Grund von Online Marketing und Retrageting auf einen Onlineshop gestoßen
Mit Retargeting holst du deine Besucher auf deine Website zurück. Quelle: pixabay

Hier ein paar Beispiele von solchen «Stationen» deiner potenziellen oder bestehenden Kunden:

  • Ein Facebook User hat auf deine Fanpage geklickt
  • Ein Google Nutzer hat auf deine LandingPage geklickt
  • Ein Interessent hat das Double Opt-in Verfahren nicht abgeschlossen
  • Ein Interessent hat ein Angebot in deinem Shop angeklickt
  • Ein Kunde hat seinen Warenkorb stehen lassen, den Kaufprozess also im letzten Moment abgebrochen
  • Eine Kunde hat Produkt A gekauft. Du hast aber noch weitere Angebote für ihn

Die Möglichkeiten von Remarketing sind sehr vielfältig

Mit Retargeting stehen dir nun verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, deine Interessenten auf dem Weg zu einem Kauf weiterzubringen oder erneut auf dich aufmerksam zu machen:

  • Kontaktdaten von potenziellen Interessenten (doch noch irgendwann) einsammeln
  • Kontakte erneut (und immer wieder) kontaktieren, z.B. um
    • um sie erneut auf dein Angebot aufmerksam machen
    • auf ihre Fragen und Bedürfnisse eingehen können
    • ihre weiteren grundsätzlichen oder weitergehenden Bedürfnisse kennenlernen
    • ihnen dann weitere deiner Angebote zuspielen

Denn wir erinnern uns: Nur, wenn die Interessenten zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit deinem passenden Angebot in Kontakt kommen, werden sie auch wirklich bei dir kaufen!

Die Kehrseite der Retargeting-Medaille

Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen. Dann etwa, wenn ein Kunde aus Versehen auf eine Seite geklickt hat, die er gar nicht anklicken wollte, und nun tagelange von entsprechender nicht passender Werbung verfolgt wird. Das kann ganz schön nerven.

Eine Medaille mit dem Schriftzug Winner
Werbung darf ruhig etwas nerven – so bleibt sie länger im Gedächtnis haften. Quelle: pixabay

Obwohl: Werbung darf ruhig etwas nerven – schließlich will sie ja auf sich aufmerksam machen. Wichtig ist dann aber schon, dass Werbeversprechen auch eingehalten werden.

Dies bedeutet für dich, dass deine Werbung und das, was du damit wiederholt bewirbst, schon eine Wiedererkennung und Hand und Fuß haben sollte, sonst nützt dir die beste Werbung nichts. Im schlimmsten Fall kann sie sogar sehr kontraproduktiv wirken, sodass der Besucher absolut nichts mehr mit dir zu tun haben will.

Hierzu meine persönliche Erfahrung mit einem Onlineshop für Damenkleidung:

Ich war auf Google unterwegs und fand dort ein schönes Bild von einem sehr hübschen Pullover in meinen Lieblingsfarben. Ich bin aber in Shopping-Hinsicht nicht so wirklich die Regel. Bis ich mich zum Kauf eines neuen, eh nicht benötigten Kleidungsstücks hinreißen lasse, braucht es schon recht viel. Du wirst es erraten: während der nächsten Tage hat mich der Pullover regelrecht verfolgt. Und wenn ich mich recht erinnere, ging auch der Preis stetig runter. Bis ich irgendwann nicht mehr widerstehen konnte und ihn online bestellte.

Ich hatte den Pullover schon wieder vergessen, als dann schließlich ein kleines Paket in meinem Briefkasten lag. Der Pulli entsprach in keiner Hinsicht meiner Vorstellung gemäß dem Werbebild. Die Farbe war blass, die Form verzogen, das Material billig. Einfach zurückschicken wäre nun die logische Vorgehensweise gewesen, wenn da mehr als nur ein unscheinbares Papier dabei gewesen wäre. Keine Rechnung, kein Lieferschein – nichts. Auf dem Zettel stand eine Referenznummer, mit der ich online ein «Ticket» lösen konnte. Die Suche nach dem Thema «Ware zurückschicken» war eine echte Odyssee. Zum Schluss kam ich auf ein Formular, das ich als «Gesuch» ausfüllen sollte.

Ein Frau hält ein Smartphone in der Hand und liest eine Retargeting-Anzeige
Retargeting ist auch über mobile Geräte möglich. Quelle: pixabay

Die Folge waren mehrere Mails hin und her, die Texte in schlechtem Deutsch mit noch schlechterem Englisch. Man gab mir jeweils drei Optionen in Form eines Gutscheins, einer teilweisen Rückvergütung des bezahlten Preises, aber immer wurde behauptet, das Zurücksenden würde sehr kompliziert werden und mich auch sehr, sehr teuer zu stehen kommen.

China Ware – Ich hätte es wissen müssen! Und nein, ich hatte nicht vor, den Pullover nach Asien zurückzuschicken, dafür war mir die Zeit einfach zu wertvoll. Ich habe noch zweimal insistiert, die Antworten vom Support kamen aber immer gleich heraus. Nur die Gutschrift erhöhte sich jeweils geringfügig, bis ich schlussendlich aufgab.

Jetzt liegt so ein minderwertiger Pulli als Symbol für «Un-Marketing» in meinem Büro, der demnächst in der Kleidersammlung seine Bestimmung finden wird. Übrigens habe ich die Firma zweimal gebeten, meine Daten zu löschen und mich nicht mehr mit Werbung (auch E-Mails) zu belästigen. Dies klappte alles andere als auf Anhieb. Außerdem – Retargeting sei Dank! – bekomme ich jetzt auf einmal wie von Zauberhand eine Menge Kleider von einer anderen Marke zu sehen. Und nein – ich werde nicht draufklicken!

Dieser Anbieter kommt zwar mit hervorragenden Werbeaktionen und wunderschönen Bildern sowie günstigen Preisen daher, hat mich aber dann mit einem grottenschlechten Produkt und einer schlichtweg nicht akzeptierbaren Dienstleistung verärgert und mich als Kundin für immer verloren. Es gibt sicher noch andere Fälle, in denen Retargeting wenig sinnvoll ist: Zum Beispiel, wenn noch gar nie eine Anzeige geschaltet wurde und daher auch noch keine «Sammlung» mit Erfahrungswerten vorhanden ist. Dies sollte sich aber nach ca. 2 Wochen nach einer ersten Werbeschaltung ändern, und deiner ersten Remarketing Kampagne steht nichts mehr im Wege!

Nutze die Möglichkeiten von Retargeting

Aber kommen wir abschließend nochmals zurück zum seriösen Remarketing. Alles, was du irgendwie an Interaktion mit deinen Interessenten im Internet messen kannst, beinhaltet auch verschiedenste Möglichkeiten des Retargetings. Das bedeutet, was immer du bei deinen Interessenten auf dem Weg zu dir und deinem Angebot auf ihren einzelnen Stationen tracken kannst, ist eine potenzielle Chance, deinen Kunden noch einmal und noch einmal und ein weiteres Mal genau dort abzuholen, wo er gerade im Prozess bis hin zum Kauf steckengeblieben ist.

Angel und Netz mit der Erklärung von Retargeting
Mit Retargeting machst du deine Besucher immer und immer wieder auf dich aufmerksam und kannst ihn schlussendlich nur noch mit dem Netz herausziehen. Quelle: pixabay

Im nächsten Bericht erkläre ich dir die Begriffe «Pixel» und «Tracking», deine Analyse-Werkzeuge im Remarketing und stelle dir eine Facebook Remarketing Version ohne Pixel vor.

Zum ersten Teil von Remarketing

Karin Dziri
Karin Dzirihttps://www.digital-durchstarten.ch
>> Betreiberin des Projekts "www.digital-durchstarten.ch" >> Mitglied der Gründer-Gruppe "Lima-Strategie" mit Gerd Breil >> Ganzheitliche Beraterin für Menschen mit Hund bei www.hundestunde-karin-dziri.ch >> Autorin und Online Marketing Partnerin bei www.online-marketing-funktioniert.de

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